Sperrung Battert – Naturschutz vs. Klettern
Sperrung am Battert – Warum Naturschutz Vorrang hat
Der bekannte Bergsteiger Ralf Dujmovits hält die vollständige Sperrung des Battertfelsens für „völlig unverhältnismäßig“. Seine Argumentation stützt sich auf seine jahrzehntelange Erfahrung und seine persönliche Kenntnis jedes Griffs am Felsen. Doch diese Sichtweise greift zu kurz, wenn man die ökologischen und rechtlichen Rahmenbedingungen betrachtet.
Erfahrung schützt nicht vor Störung
Auch wenn Dujmovits zu den erfahrensten Alpinisten Deutschlands gehört, spielt dies für die Natur keine Rolle: Wanderfalken und andere Felsbrüter unterscheiden nicht zwischen Profis und Amateuren. Studien belegen, dass schon geringe Störungen durch Kletterer während der Brutzeit zu Brutausfällen führen können (Brambilla et al. 2004).
Rechtlicher Rahmen in Baden-Württemberg
Nach den Vorgaben in Baden-Württemberg ist Klettern grundsätzlich verboten, es sei denn, es gibt eine explizite Ausnahmegenehmigung. Damit ist eine Sperrung keine außergewöhnliche Maßnahme, sondern entspricht der geltenden Naturschutzpraxis (IUCN / UIAA Report).
Gefährdete Populationen
Die Wanderfalken in Baden-Württemberg haben eine wechselvolle Geschichte: Nach massiven Rückgängen durch Pestizide wie DDT erholten sich die Bestände nur langsam. Untersuchungen zeigen, dass Störungen an Brutplätzen den Bestand erneut gefährden können (Süddeutsche Langzeitstudien).
Fazit: Vorsorge statt Risiko
Dujmovits’ Perspektive als Elite-Bergsteiger ist verständlich, doch die Verantwortung der Behörden geht über individuelle Interessen hinaus. Angesichts der Sensibilität der Arten, der rechtlichen Verpflichtungen und der nachgewiesenen negativen Effekte von Kletteraktivität ist eine Sperrung nicht „unverhältnismäßig“, sondern Ausdruck des Vorsorgeprinzips.
Statt einer generellen Ablehnung wäre es sinnvoll, über abgestufte Lösungen wie zeitlich begrenzte Sperrungen oder streng überwachte Kletterzonen zu diskutieren. Solche Modelle haben sich in anderen Regionen bewährt und könnten auch am Battert eine Balance zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung ermöglichen.