Artenvielfalt und Klettern – Risiko für Bad Herrenalb

Artenvielfalt und Klettern – will Bad Herrenalb dieselben Fehler machen?

Überall in Deutschland zeigt sich: Klettern am Fels hat Folgen für die Artenvielfalt. Seltene Pflanzen, Moose und Flechten verschwinden, Brutvögel wie der Uhu oder Wanderfalke werden gestört, und Gemeinden stehen vor der Frage: Welchen Nutzen bringt dieser Nischensport wirklich? Bad Herrenalb sollte genau hinschauen, bevor die eigenen Felsen als Sportgeräte herhalten müssen.

Frankenjura: Forschung zeigt deutliche Schäden

Studien der Universität Bayreuth belegen: Am Frankenjura verschwinden sensible Pflanzenarten auf stark begangenen Routen. Der Humusaufbau auf Felsbändern wird zerstört, Moose und Farne können sich nicht mehr entwickeln. Gleichzeitig führten Kletteraktivitäten zu Störungen bei Wanderfalke und Uhu – Brutabbrüche inklusive.
Quelle: Universität Bayreuth

Elbsandstein: Brutabbrüche durch Kletterer

Im Elbsandsteingebirge kam es in den 1990er Jahren nachweislich zu Brutabbrüchen von Schwarzstorch und Uhu, weil Kletterer trotz Sperrungen unterwegs waren. Heute gibt es dort strenge Sperrzeiten und Zugangsregeln. Das ist nichts anderes als die nachträgliche Anerkennung: Artenvielfalt und Klettern passen oft nicht zusammen.
Quelle: Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Pfalz und Schwäbische Alb: Orchideen und Falken in Gefahr

Auch in der Pfalz und auf der Schwäbischen Alb ist dokumentiert, dass Trittbelastungen durch Kletterer empfindliche Trockenrasen, Orchideen und Flechten zerstören. Gleichzeitig kam es zu Störungen beim Wanderfalken – ganze Sektoren mussten gesperrt werden.
Quelle: DAV Felsinfo

Bad Herrenalb: Naturkapital statt Nischensport

Vor dieser Kulisse stellt sich die Frage: Soll Bad Herrenalb denselben Weg gehen? Am Falkensteinfelsen ist klar: Klettern bringt nur wenigen etwas, während der Schaden an Artenvielfalt die gesamte Gemeinde betrifft. Der Schutz der Arten ist kein Hindernis, sondern eine Chance – Naturkapital bedeutet Tourismus, Bildung, Lebensqualität und ein langfristiges Profil für die Region.

Die entscheidende Frage

Warum sollte Bad Herrenalb seine Artenvielfalt für ein paar Routen opfern, wenn mehr zu gewinnen ist? Artenvielfalt als Naturkapital bringt Wertschöpfung, Besucher, internationale Aufmerksamkeit. Klettern hingegen ist eine Aktivität für wenige – mit ökologischen Kosten, die alle tragen.

Fazit: Lehren ziehen, bevor es zu spät ist

Andere Regionen mussten erst Schäden dokumentieren, Artenverluste feststellen und Sperrungen durchsetzen. Bad Herrenalb kann früher handeln. Die Frage lautet nicht, ob Klettern möglich ist – sondern ob es sinnvoll ist. Die Antwort sollte klar sein: Naturkapital sichern, Artenvielfalt bewahren und so die Zukunft der Gemeinde gestalten.