Newsletter Dezember 2020

Newsletter December 2020

 

Kürzlich veröffentlichte ein prominenter Weinkritiker seinen Champagnerbericht 2020, in dem er sich damit brüstete, 600 Champagner verkostet und die besten für seine Abonnenten ausgesucht zu haben. In Anbetracht dessen, dass ein und derselbe Tester die folgenden Regionen abdeckt: Bordeaux, Piemont, Kalifornien und Toskana. Man weiß nicht, ob man dankbar für seine Opferbereitschaft oder mitleidig für seine Hybris sein soll.
In der Vergangenheit habe ich in einigen Jahren bis zu 4000-5000 Weine und Champagner in einem Jahr verkostet. Was man aus solchen Verkostungen lernt, ist, wie man einen Wein schnell und oberflächlich bewerten kann. Die Seele der Weine und Champagner kann meiner Meinung nach jedoch nicht in der Tiefe bewertet werden, und Punkte und Verkostungsnotizen mit ihren Obstsalat- und Blumenbeschreibungen können letztlich nur als Momentaufnahme des Weins oder Champagners in einem sehr begrenzten Zeitrahmen betrachtet werden.
Das Jahr 2020 hat für mich die Art und Weise verändert, wie wir Neuerscheinungen verkosten. Anstatt professionelle Verkostungen zu besuchen und massenweise zu probieren, haben wir die Champagner so verkostet, wie sie angekommen sind, über einen längeren Zeitraum getrunken, mit und ohne Essen, und dabei wahrscheinlich Champagner besser kennen gelernt, die in einer großen Verkostungsveranstaltung nicht geglänzt hätten, bei der die auffälligen und ausgelassenen Flaschen in der Regel an die Spitze kommen und diejenigen, die Zeit brauchen, um sich zu entfalten, nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

In diesem Newsletter möchte ich Champagner hervorheben, die mich in diesem Jahr besonders beeindruckt haben und von denen ich glaube, dass sie von großem Wert sind. Um die Champagner besser zu verstehen, habe ich sie in Kategorien eingeteilt, die für die Region Champagne besonders relevant sind und zum Verständnis ihrer Einzigartigkeit nützlich sein können.

Biodynamische Champagner

Da der Ansatz eines Impfstoffs für Covid und die Rückkehr zu dem, was als normal angesehen wird, unmittelbar bevorsteht, werden unsere visionslosen Politiker wohl aufatmen und zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren, ohne sich mit den zugrunde liegenden Problemen zu befassen, die die ganze Katastrophe überhaupt erst verursacht haben. Es ist leicht, die Biodynamik als Hokuspokus und unwissenschaftlich abzuschreiben, doch wenn man sich die Landwirte oder in meinem Fall die Champagnerproduzenten ansieht, die innerhalb der biodynamischen Parameter arbeiten, kommt man nicht umhin festzustellen, dass ihre Pflanzen gesünder und krankheitsresistenter sind, ihre Böden fertil sind und die Ökosysteme in ihren Weinbergen eine Vielzahl von Pflanzen, Insekten und Vögeln beherbergen, die in den monosystematischen Weinbergen, unterstützt durch Chemikalien, nicht zu finden sind.
Viele Produzenten sprechen von der „grren harvest“ in positiven Worten. In Weinbergen, in denen Chemikalien eingesetzt werden, produzieren die Reben aufgrund des Erfolgs der eingesetzten Chemikalien zu viele Trauben, was wiederum zu verdünnten Weinen führt. Um dem entgegenzuwirken, führt der Produzent eine grüne Lese durch, d.h. er schneidet ein Drittel oder ein Viertel der an den Reben hängenden Trauben ab, was dazu führt, dass die verbleibenden Trauben konzentriert werden. Die biologisch-dynamischen Produzenten erlauben es den Reben, die natürliche Menge an Trauben zu produzieren, es ist keine grüne Lese erforderlich oder, mit anderen Worten, keine Verschwendung von Ressourcen.

L'Atavique Extra Brut 27,95 €

 

Bedel Origine'Elle Extra Brut 29,95 €
Benoit Lahaye Grand cru Brut Nature 35,99 €


Terroir-Champagner und Champagner Blends

In der Weinwelt gibt es im Allgemeinen zwei Arten von Weinen/Schaumweine. Terroir-Weine/Schaumweien, bei denen der Erzeuger versucht, die Eigenheiten der Lage mit all ihren positiven und negativen Merkmalen bestmöglich auszudrücken. Bei Blends oder Champagnern versucht der Hersteller, den bestmöglichen Wein oder Champagner mit den bestmöglichen Trauben herzustellen, unabhängig davon, woher sie stammen, die Individualität wird der Homogenität geopfert. Das Burgund ist das Vorbild auf der Suche nach dem ultimativen Ausdruck des Terroirs. Bordeaux ist das Vorbild in der Kunst des Verschnitts.
Der Champagner folgte lange Zeit dem Vorbild des Bordeaux. Die Blendingmeistern der Champagnerhäuser verstanden die Besonderheiten der einzelnen Lagen der Champagne und wussten, wie sie diese zu Meisterwerken verarbeiten konnten, wobei sie manchmal bis zu 200 verschiedene Grundweine zur Herstellung einer Cuvée verwendeten.
In den letzten dreißig bis vierzig Jahren waren wir Zeugen des Aufkommens kleiner Hersteller, die dem burgundischen Modell folgen und keine Verschnitte kreieren, sondern der Lage erlauben wollen, sich selbst auszudrücken.
Sowohl Verschnitte als auch Terroir-Champagner sind legimitiert. Die Champagne verfügt über Lagen, die in der Lage sind, fantastische Crus zu produzieren, aber auch über viele Lagen, die allein nicht das Potenzial haben und sich besser für Verschnitte eignen. Letztlich muss sich der Trinker fragen, was er will. Terroir bzw. Individualität mit all ihren Höhen und Tiefen oder Blends mit Konstanz und Homogenität.

Blends

Le Quatre Terroirs George Remy 41,82€

Terre de Sables Premier Cru Brut Perseval-Farge 39,95 €

 

Terroir

Les Vignes de Montgueux Jacques Lassaigne 34,95 €

Les Semblables Blanc de Noirs Clandestin 39,50 €

Böden

 

Die Region Champagne liegt im Pariser Becken, wo Kreide vorherrscht. Kreide ist die treibende Kraft hinter dem Champagner und das, was die Gebiete so einzigartig macht. Um die Region wirklich kennen zu lernen, ist es am besten, die Unterschiede in den Bodentypen zunächst in groben Zügen und dann im Detail zu verstehen.

Generell kann man sagen, dass die Côte de Blancs von Kreide dominiert wird, wo der Chardonnay am besten gedeiht, die Montagne de Reims mit Lehm, wo der Pinot Noir gedeiht, das Valle de Marne mit eher sandigen Böden, wo Meunier am besten funktioniert. Dann gibt es innerhalb dieser Regionen eine große Vielfalt in der Zusammensetzung der Böden. Zum Beispiel in Verzy in der Montagne de Reims mit Lehm, Kalkstein, Kreide, Sand, Silex usw. usw. Diese Fülle an Terroirs führt wiederum zu einem unbegrenzten Potenzial für Terroir-Champagner. Anders als im Burgund, wo dank der Zisterzienser die einzelnen Terroirs seit Jahrhunderten erforscht werden, befinden wir uns in der Champagne in einem embryonalen Zustand. Die Erzeuger stehen am Anfang einer Reise, die unser Leben lang dauern wird, wenn wir die Eigenart ihrer Betriebe entdecken. Im Gegensatz zum Burgund in der Champagne haben wir die Chance, Zeuge dieser Entwicklung zu werden.

Champagner Prisme .15 100% Grand Cru Guiborat 39,95 €

Champagne Entre Ciel et Terre Bedel 41,90 €

L'Ineffable Blanc de Noirs Mouzon-Leroux 35,95 €


Solera/Vin Perpetuelle

Reserveweine spielen eine wesentliche Rolle bei der Herstellung von Champagner; sie garantieren eine Qualitätskontinuität im Verschnittprozess von Champagnern ohne Jahrgang und geben dem Hersteller eine Zutat, mit der er bei der Herstellung von Verschnitten spielen kann. Der klassische Begriff ist Reservewein oder Vin perpétuelle. Einfach ausgedrückt hat der Hersteller beispielsweise ein Fass, in dem ein Teil des aktuellen Jahrgangs zu gealterten Jahrgängen hinzugefügt wird (fractional blending). Bei der Herstellung neuer Verschnitte wird in der Regel ein Drittel des Reserveweins aus dem Fass genommen, um ihn dem neuen Verschnitt hinzuzufügen, und dieses Drittel wird durch Weine des neuen Jahrgangs ersetzt.

Dieses Verschnittverfahren hat zwei entscheidende Vorteile: zum einen eine Qualitätskontinuität, d.h. der Hersteller kann schwächere Jahrgänge ausgleichen, indem er die Menge der dem Verschnitt zugesetzten Reserveweine anpasst, und zum anderen verleihen die Reserveweine den Verschnitten mit jüngeren Jahrgängen Körper und Tiefe und kontraproduzieren die Frische.

Es ist in Mode gekommen, den Begriff vin perpétuelle durch den Begriff solera zu ersetzen. Das Solera-System stammt aus der Sherry-Herstellung, wo die Oxadition eine große Rolle spielt und hier Verwirrung entsteht.

Es gibt Hersteller, vor allem Selosse, der Pionier war und das Solera-System im Sinne von Sherry verwendet und bei seinen Champagnern die Oxidation eine große Rolle spielt, und dann gibt es viele Hersteller, die den Begriff Solera für das verwenden, was in Wirklichkeit ein vin perpétuelle ist.

Die Oxidation in Weinen ist entweder etwas, das man mag oder nicht mag. Der Champagner-Kritiker Tyson Stelzer ist kein Fan, schreibt er über Jacques Selosse: "Bedauerlicherweise drängt sein Ansatz seine Weine allzu oft über den Bereich des gesunden Champagners hinaus und in die äußeren Grenzen der Oxidation. Dieser Aussage kann man zustimmen oder widersprechen.

Aus meiner Sicht verleiht die Oxidation den Champagnern eine Dimension der Komplexität und macht sie zu einem ausgezeichneten Partner für eine Vielzahl von Lebensmitteln. Wie bei den oxidativen Weinen aus dem Jura muss man über die Oxidation hinaus denken, das erfordert eine gewisse Übung, aber die Belohnung ist immens.

Die größte Schwierigkeit bei der Oxidation von Champagnern ist die Erhaltung der Frische

R. Pouillon & Fils Solera Premier Cru Extra Brut 49,50 €
Bereche et Fils Reflet d'Antan Brut 89,95 €
Huré Freres Mèmoire Extra Brut 45,00 €