Mikro-Winzer, die Realität.

Ein Begriff, der sich immer mehr durchzusetzen scheint, ist Mikro-Winzer. In der Vergangenheit hat man vielleicht den Begriff Garagenproduzent verwendet.  

Ich muss zugeben, dass ich dem Hype um bestimmte Produzenten etwas skeptisch gegenüberstehe. Ich verstehe durchaus, dass man sich für den Underdog einsetzt, aber wenn ich die Qualität des Angebots und die Preise sehe, kann ich mich nur am Kopf kratzen. 

Champagner machen ist ein bisschen wie Brot backen. Stell dir vor, man macht einen Teig mit 10 kg und einen Teig mit 1 kg. Der Zeit- und Energieaufwand ist derselbe, nur beim Brotbacken ist es einfacher und die Ergebnisse sind mit 10 kg überzeugender als mit 1 kg. Wenn du das nicht glaubst, würde ich empfehlen, von Anfang bis Ende mit 1 kg und mit 10 kg zu backen und die Ergebnisse zu vergleichen. 

Beim Champagner ist es dasselbe, ein gutes Beispiel sind Maillart, Savart und Emanuel Brochet. Maillart ist ein großer Hersteller, Brochet und Savart sind kleine Hersteller. Sie befinden sich alle im selben Gebiet und arbeiten mit denselben Trauben. Savart keltert seine Trauben in der Kellerei von Maillart. Ich möchte nicht sagen, welcher der beste Erzeuger ist. Brochet ist fast unmöglich zu bekommen, was den Preis in die Höhe treibt. Savart ist ein cleverer Vermarkter und weiß, wie er den Markt und die Preise manipulieren kann. Maillart kann größere Mengen anbieten und die Preise sind im Verhältnis zu Savart und Brochet viel besser. Wenn man sie blind verkostet, wird es schwierig zu sagen, wer der Beste ist.  

Außerdem kommen viele junge Erzeuger auf den Markt, die bei Selosse gearbeitet oder ein Praktikum gemacht haben und wirklich kleine Mengen zu lächerlich hohen Preisen produzieren. Was in der Flasche ist, rechtfertigt in keiner Weise den Preis. Cleveres Marketing, die Nutzung sozialer Medien, der Name Selosse und winzige Mengen treiben den Preis und anscheinend auch die Nachfrage in die Höhe. Wir meiden solche Hersteller, denn ich fürchte, der Hype rechtfertigt weder das Endergebnis noch den gezahlten Preis.

Ich glaube, dass man bei Mikroproduzenten wahrscheinlich 50 % und mehr für eine Qualität bezahlt, die man bei größeren Herstellern für viel weniger bekommt. Vielleicht wiegt der Status in den sozialen Medien, den man erhält, wenn man ein Bild von einem Champagner in limitierter Auflage postet, den Preis wieder auf. Mikrowinzer ist ein Trend, dem wir nicht folgen werden.

 

 

 

 

Tags: Mikrowinzer