Laborde

Eine Verkostung vor einigen Jahren, bei der wir einen Krug ohne Jahrgang und einen Krug Jahrgang 2002 getrunken haben, bleibt mir immer in Erinnerung. Am Anfang konnte man glauben, dass sie von der Statur her recht ähnlich waren, aber als sie sich entwickelten, war es, als ob der Non Vintage ein Orcherstra war, wirklich stark und komplex, aber der Vintage Krug war wie ein Solist, als ob Anne Sophie Mutter mit ihrer Stradivari spielte, einfach erhaben und transzendent.

 

Delphine Laborde Coustheur hat jetzt Champagner unter ihrem eigenen Namen Laborde releast. Ein Vin Perpetuelle, 100% Chardonnay mit 60% aus dem Jahrgang 2019 und 40% Reserveweine. Dosage 7g/l. Diejenigen, die ihre Champagner unter Saint Pierre Les Dames kennen, werden ihre Handschrift erkennen. Opulent und doch fein ausbalanciert, die Aromen sind ähnlich, mit einer Tendenz zu Agrumen, insbesondere Grapefruit. Im Gegensatz zum Pur ist der neue Champagner fokussierter und präziser mit mehr Tiefe und Komplexität. Die Dosage ist im Moment noch sehr hoch, daher würde ich empfehlen, diesen Champagner noch ein paar Jahre zu lagern, damit er sein volles Potenzial entfalten kann.

 

Der Les Écus ist ein Lieux-Dits-Champagner, d.h. er stammt aus einer bestimmten Lage. Als ich den Les Ècus getrunken habe, wurde ich an die Verkostung von Krug erinnert. Ich will damit nicht sagen, dass die Champagner auf dem Niveau von Krug sind, aber das gleiche Phänomen trat auf. Der Les Ècus ist ein 100%iger Chardonnay aus dem Jahrgang 2018. Er beginnt recht verhalten und steigt langsam auf. Dieser Champagner zeichnet sich durch große Präzision, Fokussierung und Ausgewogenheit aus. In der Nase zeigen sich zarte Aromen von Birne und Mirabelle, die Säure ist präsent, aber subtil und darunter spürt man eine komplexe Mineralität. Die Dosierung liegt bei 5 g/l. Auch hier würde ich mit dem Trinken noch ein paar Jahre warten und diesem schönen und eleganten Champagner erlauben, sein Potenzial zu entfalten. Ich wünschte, es gäbe mehr Jahrgangschampagner dieser Sorte. Dies ist auch der erste Champagner aus dem Jahr 2018, der mich von dem enormen Potenzial dieses Jahrgangs überzeugt hat.

 

Ich habe Delphine Laborde Coustheur aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Arbeit für Bollinger und Veuve Cliquot immer sehr geschätzt, wir können Großes von ihr erwarten. Mit den neuen Releases ist es, als ob sie von einem Bib Gourmand zu einem Michelin-Stern aufgestiegen wäre. Was auch sehr lobenswert ist: Anstatt Trends zu folgen und Champagner zu machen, die von den Testern hoch bewertet werden, entwickelt sie einen eigenen Stil. Auch sie ist eine Pionierin. Die meisten von uns hatten noch nie von Nogent L'Abbesse gehört, bis Saint-Pierre-Les-Dames auf den Plan trat. Mit diesen neuen Releases zeigt Laborde nun, wie potent und spannend dieses Terroir ist.