Brut Strength: Ein näherer Blick auf die missverstandene Welt der Schaumweine

In der Welt der Schaumweine gibt es seit langem eine Debatte über die Unterscheidung zwischen "brut nature" und "brut". Tom Stevenson versucht, dieses Thema in seinem Artikel "Brut Strength", der in World of Fine Wine veröffentlicht wurde, zu klären. Er argumentiert, dass die wahrgenommenen Unterschiede zwischen diesen beiden Stilen nicht so bedeutend sind, wie viele glauben, und dass falsche Vorstellungen zu unklaren Urteilen führen können. Obwohl Stevensons Artikel wertvolle Einblicke bietet, fehlt eine wichtige Diskussion über die sich verändernden Grenzen von Brut nature aufgrund von Veränderungen in der phenolischen Reife.

Die Debatte über Brut Nature und Brut

Stevenson beginnt mit einer Erklärung der Vorschriften für Brut und stellt fest, dass sich trotz einer Senkung des zulässigen Zuckergehalts pro Liter die eigentlichen Regeln nicht wesentlich geändert haben. Dies ist auf ein neues Gesetz zurückzuführen, das eine Fehlermarge von 3 g vorsieht, die in den alten Vorschriften nicht enthalten war. Er fährt fort zu erklären, dass Brut nature und extra-brut unterschiedliche Grenzwerte für den Zuckergehalt haben, was zu erheblichen Unterschieden führen kann, wenn man die Fehlermarge berücksichtigt. Er argumentiert jedoch, dass diese Unterschiede nicht so gravierend sind, wie sie erscheinen mögen.

Die Bedeutung der Ausgewogenheit

Einer der wichtigsten Punkte, die Stevenson hervorhebt, ist, dass es bei der Frage der Dosierung nicht um Süße, sondern um Ausgewogenheit gehen sollte. Er argumentiert, dass die Verwendung von Süße oder Strenge als Deskriptor für jede Unterteilung von Brut gleichermaßen negativ sein sollte. Diese Perspektive ist eine erfrischende Sichtweise auf das Thema und betont, dass die Qualität eines Schaumweins nicht allein nach seinem Zuckergehalt, sondern nach der Harmonie seiner Elemente beurteilt werden sollte.

Das fehlende Element: Phenolische Reife

Während Stevensons Artikel einen umfassenden Überblick über die Debatte um Brut Nature und Brut bietet, geht er nicht auf einen entscheidenden Aspekt der Schaumweinwelt ein: die sich verändernden Grenzen von Brut Nature aufgrund von Veränderungen in der phenolischen Reife. Die phenolische Reife bezieht sich auf den Reifegrad der Tannine und anderer phenolischer Verbindungen in der Traube zum Zeitpunkt der Ernte. Da sich der Klimawandel weltweit auf die Anbaubedingungen auswirkt, wird die phenolische Reife bei höheren Zuckergehalten erreicht, was sich wiederum auf die Ausgewogenheit und den Stil der Weine, einschließlich Brut nature, auswirkt.

Die Verschiebung der phenolischen Reife veranlasst die Winzer, die traditionellen Grenzen von Brut nature zu überdenken. Da die Trauben die phenolische Reife bei höheren Zuckergehalten erreichen, wird die von Stevenson betonte Ausgewogenheit schwieriger zu erreichen. Dies führt zu einer Neudefinition dessen, was Brut nature ausmacht, wobei einige Winzer auf eine höhere Zuckergrenze drängen, um die Ausgewogenheit der Aromen in ihren Weinen zu erhalten.

Schlussfolgerung

Stevensons "Brut Strength" bietet wertvolle Einblicke in die Welt der Schaumweine, insbesondere in die missverstandenen Unterschiede zwischen Brut nature und Brut. Um jedoch die sich entwickelnde Landschaft der Schaumweine vollständig zu verstehen, ist es entscheidend, die Auswirkungen der sich verändernden phenolischen Reife auf die Grenzen von Brut nature zu berücksichtigen. Da sich die Weinindustrie weiterhin an die veränderten klimatischen Bedingungen anpasst, werden sich die Definitionen von Weinstilen wie Brut nature wahrscheinlich weiter entwickeln.